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5 Minuten Lesezeit

Total gescheitert? Besser mit Niederlagen umgehen!


Das Gefühl mit etwas gescheitert zu sein, kennt wohl jeder! Menschen, die zu „den Besten“ in ihrem Fach zählen, haben oft etliche Niederlagen erlebt, bis sie dann irgendwann auch Erfolg hatten!
Das Scheitern hat jedoch ein schlechtes Image und das sorgt für negative Gefühle: wir fühlen uns beschämt, enttäuscht, entmutigt!

Woran liegt das eigentlich?

Wir leben in einer Leistungs- und Erfolgsgesellschaft. Wir erfahren gesellschaftliche Anerkennung nur, wenn wir genau das liefern können:

Leistung und Erfolg!

Der Trend lautet: ganz vorne mitmischen, super schön, super erfolgreich sein!

Schon als Kinder vergleichen wir uns mit anderen und je toller wir da abschneiden, desto besser für unser Selbstbewusstsein.

Nicht erst im Erwachsenenleben begegnen uns sogenannte KPIs, das sind Key Performance Indicators, also Leistungs-Kennzahlen, die beispielsweise zeigen, welcher Verkäufer am besten performt hat. Auch Schulnoten sind letztlich nichts anderes. Sie unterscheiden die besseren Schüler von den Schlechteren, im jeweiligen Fach.

Letztes Jahr, bei der Diskussion um die Bundesjugendspiele und die Beurkundung von sportlicher Leistung, ging es um die Idee, Kindern das Erleben von Niederlagen zu ersparen.

Dabei sind – zumindest für mich- nicht die Misserfolge das Problem, sondern eher unser Umgang damit, als Gesellschaft, als Eltern, als Individuen.

Lautet das Motto: Hinfallen, Aufstehen, Krönchen richten, weitermachen?

Das ist als Ansatz gar nicht verkehrt, aber wenn wir einen Misserfolg erleben, dann ist das erstmal eine „große Klatsche" für unser Ego. Denn in einer Gesellschaft, in der Scheitern keine Option ist, leidet unser Selbstwert. Je stärker unser Selbstwert mit Leistung verknüpft ist, desto weniger locker stecken wir eine Niederlage weg.

Aber wir können lernen, besser mit Fehlern und dem Scheitern umzugehen.


Hier kommen 5 Tipps aus der Psychologie:

  1. Überprüfe Dein Mindset im Hinblick auf Niederlagen!

    Michael Frese von der Uni Lüneburg, ein Arbeitspsychologe und Fehlerforscher hat die Fehlertoleranz in 61 Ländern untersucht. Das Ergebnis: Deutschland und Singapur liegen auf den beiden letzten Plätzen. Man kann also sagen, dass wir hier in Good Old Germany ein besonders unentspanntes Verhältnis zum Scheitern haben!
    Wer sich in den USA auf eine Stelle bewirbt, wird im Lebenslauf eher auch Niederlagen aufführen. Beispielsweise, wenn man es auch mal erfolglos mit einer Selbstständigkeit versucht hat. Denn damit hat man gezeigt, dass man Ideen entwickeln kann, dass man bereit ist, ein Risiko einzugehen. Amerikanische Unternehmen bewerten so etwas eher positiv.
    Unser deutsches Durchschnitts-Mindset lädt eher dazu ein, sich zu schämen und Misserfolge wegen der Peinlichkeit und aus Angst vor Gesichtsverlust zu verschweigen.
    Dabei ist der Umgang mit Niederlagen ganz entscheidend für unsere Persönlichkeitsentwicklung. Kleinkinder fallen unzählige Male hin, bis sie dann irgendwann alleine stehen und sogar laufen können. Was wir entwickeln müssen auf dem Weg ist Frustrationstoleranz und ein Bewusstsein dafür, dass Scheitern, Teil eines jedes Lernprozesses ist.
    Erkennen wir an, dass wir nur scheitern konnten, weil wir etwas versucht haben, das keine sichere Bank war. Vielleicht haben Sie etwas Neues versucht, vielleicht sind Sie damit ein Risiko eingegangen. Gratulation!

  2. Überschätzen Sie nicht die Außenwirkung Ihres Misserfolgs!

    Die Cornell Universität New York hat Studien mit Schauspielern durchgeführt und konnte zeigen, dass Fehler von anderen durch uns viel gnädiger bewertet werden, als unsere eigenen.
    Wir neigen dazu, das „Schäm-Potenzial" unserer Niederlagen deutlich zu überschätzen. Nur manchmal genügen wir den Ansprüchen anderer nicht, meist sind es eigene Erwartungen an uns selbst, die wir enttäuschen. Wenn Ihre innere Stimme Ihnen wortstark erzählt, wie katastrophal Sie versagt haben, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sie dabei gewaltig übertreibt. Überschätzen Sie also nicht die Außenwirkung Ihres Misserfolgs.

  3. Seien Sie selbstmitfühlend und ermutigen Sie sich!

    Die Uni Mannheim forscht zum Thema Selbstmitgefühl und hat festgestellt, dass sich Personen hier stark unterscheiden können.
    Wer selbstmitfühlend ist, geht mit sich selbst nicht strenger um, als mit anderen. Bei weniger Selbstmitgefühl sind wir dagegen besonders hart zu uns selbst.
    Wenn uns ein guter Freund von einem Misserfolg erzählt, sagen wir vielleicht:

    „Das kann passieren, das nächste Mal klappt es bestimmt, bleib' dran, etc.“.


    Gegenüber uns selbst, würde es dann eher so klingen:

    „Du hast es halt nicht drauf, das war ja klar, dass das mal wieder nichts wird, etc.".

    Oft gehen wir so mit uns selbst um, wie wir es von unseren Eltern gelernt haben. Also, achten Sie darauf, wie Sie mit sich selbst sprechen. Seien Sie dabei selbstmitfühlend und sprechen Sie sich Mut zu!

  4. Machen Sie eine Fehleranalyse und unterscheiden Sie Kontrollierbares und Nicht-Kontrollierbares!

    Im Sport gehören Analysen ganz selbstverständlich dazu. Nach einer spielerischen Niederlage, wird rekapituliert:Was war gut, wo muss verbessert werden. Daraus leitet man dann konkrete Trainingspläne ab. Allerdings hat man, auch wenn man dann besser spielt, keinen Einfluss darauf, was der Schiri pfeift.
    Im Berufsalltag ist es ähnlich. Wir können uns mächtig ins Zeug legen, wir können tolle Ideen vortragen; aber ob wir den Traumjob bekommen oder unsere Idee gehört und umgesetzt wird, das liegt nicht unter unserer Kontrolle.

    Bei dem, was Sie kontrollieren können, prüfen Sie ganz systematisch, was Sie noch besser machen können!

    Bei dem, was Sie nicht kontrollieren können, reiben Sie sich nicht auf!


    Eine Facette von: hinfallen, aufstehen, Krönchen richten und weitermachen, kann auch heißen, an anderer Stelle weiterzumachen: sich nicht unablässig weiter zu optimieren für ein Unternehmen oder einen Partner, sondern dahin zugehen, wo man eine bessere Resonanz bekommt.

  5. Denken Sie handlungsorientiert!

    Birgit Prinz, die ehemalige Fußball-Nationalspielerin, ist inzwischen Sportpsychologin, und hat in ihrer Diplomarbeit deutsche Nationalspielerinnen mit denen verglichen, die „nur“ in der Bundesliga spielen:
    Das Geheimnis der Spielerinnen in der Nationalmannschaft? Sie konnten mit Misserfolgen noch besser umgehen.
    Sportlern, die ja von Berufswegen oft mit Niederlagen umgehen müssen, hilft ein kleiner Trick, um sich mental zu überlisten:

    Sie schauen weniger auf das Ziel und mehr auf den Prozess!


    Es geht dann weniger darum, andere zu schlagen und mehr darum, sich selbst verbessert zu haben. Man vergleicht sich nicht mit anderen, sondern mit sich selbst. Hat man sich etwas Riskantes zugetraut? Dann wird das als Erfolg verbucht, auch wenn man nicht gleich die Konkurrenz ausstechen kann.

    Eine weitere Fokusverschiebung ist die Lösungsorientierung. Man verzichtet auf das individuelle Siegertreppchen und erkennt Erfolge auch an, wenn etwas gemeinsam entwickelt wurde. In Unternehmen wird sich das zunehmend durchsetzen, weil man die Leistungsmöglichkeiten von Teams erkennt. Das wird dann mehr zum „Mannschaftssport"!

Natürlich werden wir uns immer mit anderen vergleichen, das ist in uns Menschen so angelegt. Aber ich wünschte mir mehr Gelassenheit im Umgang mit Niederlagen. Das ist einer der wenigen Aspekte, wo mir eine Amerikanisierung gefallen würde.

Wenn Sie das nächste Mal einen Misserfolg erleben, dann:

  1. Überprüfen Sie Ihr Mindset im Hinblick auf Niederlagen!
  2. Überschätzen Sie nicht die Außenwirkung!
  3. Seien Sie selbstmitfühlend und ermutigen Sie sich!
  4. Machen Sie eine Fehleranalyse und unterscheiden Sie Kontrollierbares und
    Nicht-Kontrollierbares!
  5. Denken Sie handlungsorientiert!

Meinen letzten Misserfolg hatte ich gerade erst vor ein paar Tagen. Auf einer Wanderung im Siebengebirge lag ein dicker Baum quer auf dem Weg. Ich wollte nicht drum herumlaufen, wie alle anderen, sondern das Hindernis sportlich, elegant überspringen. Das Projekt endete leider im Matsch.

Die Fehleranalyse ergab eine grobe Fehleinschätzung meines Gleichgewichtssinns. Den könnte ich jetzt trainieren oder in Zukunft einfach ebenfalls um den Baum herumlaufen.

Wie würden Sie sich entscheiden?


Diesen Blogartikel gibt es hier auch als Video!

Über die Autorin:

Kerstin March ist Diplom-Psychologin, Dozentin und Coach. Sie hilft Unternehmen, psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu reduzieren und Mitarbeiter nachhaltig fit zu machen. Ihr Blog und die kostenfreien Video-Coachings unterstützen Interessierte dabei, ihren Job mit mehr Kompetenz und Gelassenheit anzugehen!

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