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5 Minuten Lesezeit

Nur Stimmungstief oder doch Depression?

Viele kommen gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit schwerer aus dem Bett, fühlen sich energielos und manchmal auch niedergeschlagen. Das sind Symptome, die wir auch bei der Depression finden, aber deuten die Symptome jetzt schon auf eine psychische Erkrankung ist, ist der Zustand behandlungsbedürftig?

Depression erkennen!

Die Depression ist ein sehr komplexes Phänomen. Man unterscheidet unterschiedliche Formen, es gibt typische Symptome, aber auch versteckte Symptome. Eine Diagnose ist daher erst nach genauerer Untersuchung zu stellen. Für eine spontane Einschätzung hängt auch zu viel dran, beispielsweise die Frage, ob professionelle Hilfe nötig ist.

Wer Symptome bei sich feststellt oder auch bei einer anderen Person, beispielsweise einem Mitarbeitenden, stellt sich sicher die Frage:

Um Symptome besser einzuordnen zu können, werden wir entscheidende Aspekte ganz systematisch abklopfen:

Die Schwere und die Dauer der Symptome analysieren:

Es gibt Depressionen, die sind so schwer, da wird das morgendliche Aufstehen zum herausfordernden Projekt. In Kliniken ist diese Form natürlich vorherrschend. In Unternehmen ist eine andere Form der Depression häufiger anzutreffen:

die hochfunktionelle Depression!

Hier kann der normale Alltag weiterhin aufrechterhalten werden, jedoch geht es der Person dennoch schlecht. Sie leidet, nur nicht so auffällig.

Im Winter trifft manche auch ein „Winterblues", der wird - je nach Schwere - auch als saisonale Depression bezeichnet. Die verabschiedet sich zwar im Frühjahr wieder, aber in der Zeit, wo sie da ist, kann sie wie andere Depressionen auch, sehr belastend sein.

Wir können also versuchen, den Grad der Beeinträchtigung einzuschätzen. Je schwerer die Beeinträchtigung ausfällt, desto dringender ist professionelle Hilfe.

Wir sollten jedoch immer auch die Dauer anschauen, denn auch wenn eine depressive Episode nicht das ganze Leben lahmlegt, so ist die Lebensqualität doch stark eingeschränkt. Wenn dieser Zustand dann über Wochen oder gar Monate anhält, ist professionelle Hilfe ebenso richtig und wichtig.

Wenn wir die Schwere und die Dauer einschätzen wollen, auf welche Symptome sollten wir uns beziehen?

Kernsymptome einer Depression!

Die Depression hat vielfältige Symptome und die werden zudem noch sehr individuell wahrgenommen. Manche fühlen sich niedergeschlagen und energielos, andere fühlen sich geradezu gefühlstaub und wieder andere registrieren in erster Linie körperliche Symptome, wie Rückenschmerzen oder Verdauungsstörungen. Manche verhalten sich gereizt, aggressiv, andere werden total passiv und ziehen sich zurück.
Die Bandbreite ist riesig.

Es gibt aber 2 Kernsymptome, die bei Depression immer im Spiel sind:

  1. Der Verlust von Freude und Interesse
  2. Die konstant gedrückte Stimmung

    Dazu lassen sich passende Fragen formulieren:
  1. Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder
    sogar hoffnungslos oder verzweifelt?
  2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Freude an Dingen, die Sie sonst
    gerne tun?

Werden beide Fragen mit Ja beantwortet, können Sie die Qualität des Leids noch weiter untersuchen:

Fazit:
Je dichter und konstanter die dunkle Wolke jemanden umgibt und je weniger dieser selbst Einfluss nehmen kann, desto wichtiger ist professionelle Unterstützung von außen.

Sollte dies der Fall sein, dann warten Sie nicht ab, sondern tun Sie den 1. Schritt und sprechen mit Hausarzt oder Hausärztin.

Eine zuverlässige Diagnose gibt Klarheit und zeigt die Optionen für den weiteren Weg auf. Denn auch körperliche Ursachen müssen gecheckt werden, wie beispielsweise die Schilddrüsenfunktion oder andere hormonelle Veränderungen.

Ist es tatsächlich eine Depression, kann manchmal ein Anti-Depressivum hilfreich sein, insbesondere wenn die Symptomatik sehr schwerwiegend ist. Es gibt auch wirksame pflanzliche Alternativen (dazu komme ich noch).
In den meisten Fällen wird aber auch Psychotherapie empfohlen und das halte ich für eine richtig gute Idee. Ich weiß, dass man auf einen Therapieplatz warten muss, aber je früher diese Wartezeit beginnt, desto besser. Allein der Entschluss, an sich zu arbeiten hat bei vielen Betroffenen schon eine spürbar lindernde Wirkung: man hat eine starke Entscheidung getroffen und es gibt Hoffnung auf baldige Besserung.

Für sich selbst zu sorgen, wird - zum Glück - immer selbstverständlicher.

Tipps für Führungskräfte:

Wenn Sie als Führungskraft feststellen, dass ein Mitarbeitender sich in seinem Verhalten verändert hat, sich zurückzieht oder seine Leistung nachlässt, er innerhalb kurzer Zeit stark ab- oder zunimmt, dann suchen Sie das Gespräch.

Berichten Sie von Ihrer Wahrnehmung, Ihrer Sorge und stellen Sie offene Fragen zum Befinden am Arbeitsplatz.

Viele Führungskräfte denken, Sie greifen zu sehr in die Privatsphäre ein, wenn sie ein so persönliches Thema ansprechen. Aber eine Depression ist nie rein persönlich, das Umfeld privat wie auch beruflich, ist immer mitbetroffen. Als Führungskraft haben Sie eine Fürsorgepflicht, gegenüber einzelnen Mitarbeitenden, aber auch gegenüber Team oder Abteilung! Wichtig ist es, deutlich zu machen, dass Sie unterstützen wollen.

Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl, wenn Sie den Eindruck haben, der Kollege/die Kollegin ist beeinträchtigt. Wenn sich jemand seit Monaten zur Arbeit schleppt, aber immer abwiegelt, wenn Sie das ansprechen, dann bestehen Sie darauf, dass der Mitarbeitende sich checken lässt.

Für manche ist das Thema Depression so schambesetzt, dass sie empört sind, wenn man sie „zum Psychologen schickt".

Ich führe regelmäßig psychologische Beratung für Unternehmen durch und in der ersten Sitzung verbringen wir die erste halbe Stunde oft damit, dass mein Gegenüber mich davon überzeugen will, dass er oder sie eine Psychologin ganz sicher nicht braucht. Wenn ich dann nachfrage, mit welchem Thema wir die Zeit vielleicht doch sinnvoll verbringen könnten, tun sich die relevanten Themen dann doch auf. Also bleiben Sie dran und bestehen Sie auf einer Anamnese.

Wie kann man sich selbst unterstützen?

Wenn Sie bei der Überprüfung der Kernsymptome:

feststellen, dass die Wolkendecke doch nicht so dicht ist, dass sie Lücken hat und es zwischendurch auch immer mal wieder sonnigere Momente gibt, dann spricht das für eine weniger schwere Depression.

Unterstützung können Sie sich dann natürlich trotzdem holen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Sie selbst etwas ausrichten können, um Ihren Zustand zu verbessern, ist hier ungleich größer. Es lohnt sich, auszuprobieren, was hilft.

Bewährt haben sich diese 5 Strategien:

  1. Teilen Sie sich mit! Vor allem Männer neigen dazu, Emotionen, die sie mit Schwäche verbinden, für sich zu behalten. Keine gute Idee! Sprechen Sie mit Menschen, die Ihnen vertrauenswürdig erscheinen. Dieser Austausch ist wichtig für Sie.

  2. Checken Sie Ihren Lifestyle:
    Achten Sie auf ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität.
    Das wissen Sie natürlich längst, aber ich möchte es trotzdem aufführen, einfach weil es so wichtig ist. Untersuchungen konnten beispielsweise zeigen, dass moderater Sport genauso lindernd wirken kann, wie ein Anti-Depressivum. Schon eine halbe Stunde Aufenthalt im Freien, liefert soviel Licht, dass Sie dem Winterblues entgegenwirken können, selbst bei bedecktem Himmel. Viel Zucker und Weißmehlprodukte schlagen auf's Gemüt usw..
    Das ist nicht neu, aber um Ihre Stimmung zu heben, muss es eben auch umgesetzt werden! Ich drehe beispielsweise jeden Tag eine kleine Runde an der frischen Luft. Das habe ich in der Coronazeit für mich entdeckt und finde es sehr wohltuend.

  3. Kultivieren Sie freudige Aktivitäten: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für sich selbst, für Aktivitäten, die Ihnen Freude bereiten oder Entspannung bringen. Das kann ein Spaziergang in der Natur sein, ein heißes Bad, ein gutes Buch oder auch ein Abend mit Freunden. Tragen Sie sich diese Quality Time in den Kalender ein und geben Sie ihr eine A-Priorität.

  4. Kultivieren Sie positive Kontakte: Umgeben Sie sich mit unterstützenden Menschen. Sich austauschen können, gemeinsam Lachen, zusammen eine gute Zeit haben, ist etwas, dass uns guttut. Verbringen Sie möglichst wenig Zeit mit Menschen, die Sie erschöpfen und seien Sie ruhig egoistisch. Sie dürfen da einfach gut für sich sorgen.

  5. Achten Sie auf Ihre Gedanken:
    Belastenden Gefühlen gehen belastende Gedanken voraus. Es sind meist kritische Gedanken über uns selbst, über Andere, über die wirklich nicht rosige Zukunft usw.. Das wirklich Gemeine bei einer depressiven Episode, ist das, was mit unserem Denken passiert. Belastende Aspekte des Lebens werden zielsicher herausgepickt und dann enorm aufgeblasen, so riesig, dass alles Positive aus dem Sichtfeld verschwindet. Das ist jedoch eine Verzerrung, die nichts mit der Realität zu tun hat. Deshalb ist es wichtig, dass Sie in dieser Phase nicht alles glauben, was Sie denken.
    Sobald Sie das negative Gedankenkarussell wahrnehmen, sagen Sie sich laut, dass Sie diesen Text jetzt nicht gebrauchen können. Dann konzentrieren Sie sich bewusst auf etwas anderes. Mit der Zeit klappt das immer besser und nachhaltiger.


    Diese 5 Strategien sind übrigens nicht nur hilfreich, wenn man sich energielos oder niedergeschlagen fühlt.
    Sie helfen auch insgesamt, um gesund zu bleiben!
Tipp von mir:
Meine Stimmung in den dunklen Wintermonaten hat sich deutlich gebessert, seit ich Vitamin D3 einnehme. Wieviel Placeboeffekt hier am Werk ist, lässt sich natürlich nicht sagen. Aber ich finde, es ist einen Versuch wert!

Hier die angekündigte Info zu pflanzlichen Alternativen!

Belastbare Studien gibt es zu Johanniskraut-Trockenextrakt:
Hochkonzentrierte Präparate (Jarsin, Laif, und Neuroplant) sind zugelassen für leichte bis mittelschwere Depressionen, Es gibt sie - in wirksamer Dosierung des Wirkstoffs - nur in der Apotheke. Sie können sogar vom Arzt verschrieben werden.
Es gibt aber auch identische Varianten, die man ohne Rezept bekommt. Dort ist die Verpackung anders beschriftet, es ist aufgedruckt: „Bei depressiver Verstimmung“, damit niemand auf die Idee kommt, eine schwere Depression allein mit Johanniskraut zu behandeln.
Die volle Wirkung setzt, wie bei anderen Antidepressiva auch, erst nach 2-3 Wochen ein.

Die Nebenwirkungen finde ich persönlich – im Vergleich zu synthetischen Präparaten- deutlich akzeptabler.

Falls Sie weitere Medikamente einnehmen, sollten Sie eine Wechselwirkung ausschließen, Arzt und Apotheker können Sie da beraten.

Diesen Blogartikel gibt es hier auch als Video!

Über die Autorin:

Kerstin March ist Diplom-Psychologin, Dozentin und Coach. Sie hilft Unternehmen, psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu reduzieren und Mitarbeiter nachhaltig fit zu machen. Ihr Blog und die kostenfreien Video-Coachings unterstützen Interessierte dabei, ihren Job mit mehr Kompetenz und Gelassenheit anzugehen!

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