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4 Minuten Lesezeit

Mobbing - Welchen Preis die Betroffenen zahlen!

Mobbing zu erkennen ist am Anfang gar nicht so einfach. Rund ein Viertel der Mobbingopfer können im Nachhinein nicht einmal mehr sagen, wann der Psychoterror eigentlich angefangen hat.
Viele reden sich zu lange ein, dass es nur Missverständnisse sind, wenn sie angegriffen werden. Dann werden die Attacken heftiger und systematischer. Die Mobbendenden ›infizieren‹ immer mehr andere, die sich dann ebenfalls beteiligen.

Oft gesteht man sich diese sehr schmerzhafte Ausgrenzung durch andere erst ein, wenn sich längst massive gesundheitliche Folgen eingestellt haben.

Welche Symptome zeigen sich zuerst?

Mobbing bedeutet massiven emotionalen Stress. Das Erste, was sich zeigt sind deshalb typische Stresssymptome:

Und jeder oder jede, die Mobbing einmal erlebt hat, könnte diese Liste problemlos weiter fortführen.

Welches sind häufige arbeitsrechtliche Konsequenzen?


Vor allem die Leistungseinbußen bei den Betroffenen setzen dem Mobbing oft noch eins obendrauf. Vorgesetzte bzw. die Personalleitung werden auf die Fehlleistungen des Betroffenen aufmerksam und schreiten ein.
Leider aber meist nicht, um dem Opfer zu helfen und die Mobbenden zur Rede zu stellen.

Im Gegenteil: In 60% aller Mobbingfälle wird das Opfer mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen überzogen, wie Abmahnung, Versetzung oder Kündigungsandrohung.

Laut einer aktuellen Untersuchung des Workplace Bullying Instituts verlieren zumindest in den USA 62% der Gemobbten sogar ihren Arbeitsplatz.

Der psychische Stress durch Ausgrenzung ist schon an sich sehr belastend, wenn dann noch die berufliche Existenz bedroht ist, führt das Menschen in eine tiefe Krise.

Welche gesundheitlichen Folgen sind oft nachhaltig beeinträchtigend?


Manche spüren die anhaltende Schikane vorwiegend körperlich; es entwickeln sich beispielsweise Bluthochdruck oder Herz-Kreislauferkrankungen.

Viele Mobbingbetroffene entwickeln aber auch Schuldgefühle und zweifeln an ihren eigenen Fähigkeiten. Dieser Verlust an Selbstwertgefühl ist in seiner Wirkung fatal.

Dass Mobbing ernsthafte Krankheiten verursachen kann, ist bekannt seit dem MobbingReport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Fazit: Ein Drittel der Gemobbten braucht therapeutische Hilfe, um das Erlebte zu verarbeiten und wieder Boden unter die Füße zu bekommen.

Die genannten Zahlen sind aus dem Jahr 2002. Ein aktueller Mobbing-Report steht noch aus, aber ich gehe nicht davon aus, dass sich die Situation seitdem verbessert hat.

Kann Mobbing eine Depression auslösen?


Dazu gibt es unterschiedliche Sichtweisen.

Prof. Ulrich Hegerl von der deutschen Depressionshilfe sagt:

Aber vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen:

Depression ist als Erkrankung offenbar viel zu komplex, um nur einen einzigen konkreten Auslöser bestimmen zu können.

Jedoch, dass Mobbing eine erneute depressive Episode wahrscheinlicher macht, ist unbestritten.

Weshalb verarbeiten Menschen Mobbingerfahrungen so unterschiedlich gut?


Erst einmal, nicht alle Mobbingerfahrungen sind objektiv gleich.

Mobbing kann also unterschiedlich massiv ausfallen.
Laut der Befragung des Workplace Bullying Institut im letzten Jahr, waren 55% der Mobbenden Führungskräfte.
Mal vorausgesetzt, dass diese Zahlen zumindest ansatzweise auf Deutschland übertragbar sind, lässt sich vermuten:
Vorgesetzte, die Bossing betreiben, haben noch mehr Macht zu schikanieren und es ist besonders schwer, irgendwo Unterstützer im System zu finden.
Auch das macht einen Unterschied.

Zudem sind wir Menschen unterschiedlich widerstandsfähig. Manche haben die Kraft sich zu wehren, andere geraten schneller in eine Art Opferrolle, wo sie Dinge einfach laufen lassen und ertragen.


Es gibt zwei Dinge, die bei der Verarbeitung einer Mobbingerfahrung entscheidend sind:

  1. Mobbing ist nichts, was man einfach wegstecken kann oder muss! Es braucht Zeit das Erlebte zu verarbeiten. Sich jemandem anzuvertrauen ist hilfreich. Ebenso auch Gespräche mit einem Therapeuten oder die Teilnahme in einer Selbsthilfegruppe. Manche schreiben ihre Gedanken und Gefühle in ein Tagebuch. Die Auseinandersetzung mit dem Erlebten ist unangenehm, anstrengend, aber wichtig!
  2. Nach bewusster Verarbeitung sollte man sich wieder konsequent seinem Leben und seiner Zukunft zuwenden.
    Es ist natürlich verletzend und ungerecht, wenn Mobbende ungeschoren davonkommen, „fröhlich so weiter machen“ oder -wie mir einige geschrieben haben - sogar noch befördert werden. Aber gerade wenn sich eine Gerechtigkeit nicht herstellen lässt, sollte man sich von üblen Machenschaften in der Vergangenheit nicht auch noch Zukunft ruinieren lassen.

Übrigens ist das Workplace Bullying Institut 2024 der Frage nachgegangen, ob der raue Ton im Wahlkampf zwischen Donald Trump und Kamala Harris Auswirkungen auch auf Mobbing am Arbeitsplatz haben könnte.

Ca. 70% der befragten Beschäftigten gaben an, die Politiker-Rhetorik hätte durchaus Modellcharakter und rege dazu an, sich im Umgang miteinander weniger an Umgangsregeln zu halten.

Ich habe für mich wahrgenommen, dass sich seit dem Zerfall der Ampelregierung 2024 und in der Wahlkampfphase Anfang 2025 der Umgangston auch zwischen deutschen Politikern deutlich verschärft hat.
Wer politisch nicht im gleichen Club spielt, der darf öffentlich herabgesetzt und beleidigt werden.

Davon sollten wir uns - ganz bewusst- nicht anstecken lassen!

Diesen Blogartikel gibt es hier auch als Video!

Über die Autorin:

Kerstin March ist Diplom-Psychologin, Dozentin und Coach. Sie unterstützt Führungskräfte dabei, wirkungsvoll zu kommunizieren und sich als Führungspersönlichkeit authentisch weiterzuentwickeln. Ihr Blog und die kostenfreien Video-Coachings unterstützen Interessierte dabei, ihren Job mit mehr Kompetenz und Gelassenheit anzugehen!

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