Ist Geld ein echter Motivator?
Wenn wir einschätzen wollen, inwieweit Geld uns überhaupt motivieren kann, brauchen wir zum Einstieg ein paar Fakten über Motivation.
Der Forscher Richard DeCharms sagt, Motivation ist eine milde Form der Besessenheit. Unsere Gedanken und Handlungen sind dann auf EIN Ziel ausgerichtet und wir erleben das was wir tun, als Belohnung. Wir tun etwas im Idealfall mit Begeisterung; zumindest im Fall von intrinsischer Motivation.
Die Wissenschaft unterscheidet die intrinsische und extrinsische Motivation:
- Bei intrinsischer Motivation ist die Tätigkeit selbst der motivierende Anreiz,
- bei extrinsischer Motivation geht es um das, was auf die Tätigkeit folgt.
Beispiel:
- Intrinsisch motiviert hat jemand Freude am Sport,
- extrinsisch motiviert geht es eher darum, Gewicht zu verlieren oder die Gesundheit zu erhalten.
Das ist aber kein entweder/oder, sondern die Motivationsarten sind meist verknüpft.
- Wir haben im Idealfall Freude, beispielsweise an unserer Arbeit (intrinsische Motivation),
- verdienen damit aber auch unseren Lebensunterhalt (extrinsische Motivation).
Untersuchungen zeigen, dass intrinsische Motivation die höchste Korrelation mit hohem Engagement hat. Seine Arbeit zu lieben, fühlt sich einfach auch gut an.
Aber wie entsteht diese intrinsische Motivation?
- Sie braucht dazu Motive innerhalb der Person
- und die passenden Anreize im Umfeld.
Es gibt drei Grundmotive, die gut erforscht sind:
Das Leistungsmotiv, das Anschluss- und das Machtmotiv.
Menschen mit ausgeprägtem Machtmotiv wollen
- andere beeinflussen,
- lenken,
- anderen etwas beibringen.
Führungskraft werden zu dürfen, könnte hier ein Anreiz sein.
Menschen mit starkem Leistungsmotiv wollen
- etwas Anspruchsvolles schaffen,
- sich verbessern,
- andere überrunden.
Immer wieder neue Herausforderungen, könnten die Intrinsische Motivation wecken.
Wenn das Anschlussmotiv sehr ausgeprägt ist, dann
- wird das soziale Miteinander zum motivierenden Faktor;
- hier finden wir die perfekten Teamplayer.
Was denken Sie, welches Motiv bei Ihnen besonders ausgeprägt ist?
Es gibt ein Messinstrument, genannt picture story excersize, mit dem man das untersuchen kann.
Hier ein Beispiel:
Was ist Ihr 1. Impuls, wenn Sie die Situation beschreiben sollten.
- 1. Die beiden Frauen freuen sich über ein erfolgreich verlaufendes Experiment!
- 2. Die Chefin kontrolliert die Arbeit einer Mitarbeiterin!
- 3. Zwei Kolleginnen arbeiten gemeinsam an einem Projekt!
- Antwort 1 weist auf das Leistungsmotiv hin,
- Antwort 2 auf das Machtmotiv und
- Antwort 3 auf das Anschlussmotiv.
Festhalten können wir:
Unsere Motive sind der individuelle Antriebsfaktor, der zusammen mit entsprechenden Umweltbedingungen Motivation erzeugen kann.
Aber welche Rolle spielt das Geld?
Geld ist ein extrinsischer Motivator, er gehört zu den Umweltbedingungen, die im Idealfall die inneren Motive unterstützen sollen. Aber, kann Geld das leisten?
In den 1970er Jahren konnten Forscher erstmals belegen, dass Geld die Motivation sogar ausbremsen kann.
Dazu hat man beispielsweise Erwachsenen im Forschungslabor ein Puzzle angeboten. Sie konnten puzzeln, sich aber auch mit anderen Dingen beschäftigen. Die Probanden fanden das Puzzle aber spannend und puzzelten fleißig.
Danach wurde eine Belohnung in Aussicht gestellt, wenn man das Puzzle erfolgreich lösen konnte und noch mehr Probanden waren motiviert, sich mit dem Puzzle zu beschäftigen.
Danach hat man die Belohnung wieder gestrichen und es wurde jetzt deutlich weniger gepuzzelt als in der Ausgangssituation.
Es gibt viel Forschung mit einem ähnlichen Versuchsaufbau und man kann festhalten:
Geld kann unsere intrinsische Motivation tatsächlich unterwandern. Diesen Effekt nennt man in der Psychologie den Korrumpierungseffekt.
Die Bezahlung rückt dann so stark in den Fokus, dass man seine ureigene Motivation verliert. Der Idealist, der sich immer für seine Ziele einsetzen wollte, hat plötzlich nur noch seinen Kontostand im Blick – und verliert das Gefühl für die Dinge, die ihn eigentlich glücklich machen.
Ist also Geld nicht so wichtig?
Doch, sehr sogar, aber es lässt sich nicht auf die einfache Formel bringen:
Mehr Geld = höhere Motivation.
Denn bei der Bezahlung für eine Arbeit spielt beispielsweise auch der Vergleich mit anderen eine Rolle.
Man hat in einem Experiment mehreren Verkäufer-Teams den Auftrag gegeben, Tickets zu verkaufen für ein Event. Der Verkauf fand statt an zwei Wochenenden:
- 1. Wochenende alle Teams bekommen € 12.- pro Stunde
- 2. Wochenende einige Teams bekommen weiterhin € 12.-,
- andere nur noch € 9.- pro Stunde und
- in einigen Teams bekam nur EIN Teammitglied weniger als die anderen.
Das Ergebnis: Die schlechter bezahlen Teams leisten etwas weniger, die einzelnen Teammitglieder mit geringerer Bezahlung arbeiten sogar um 1/3 schlechter.
Experimente dieser Art zeigen, dass Geld durchaus eine Wirkung auf unsere Motivation hat. Aber eher mit negativen Vorzeichen. Die ursprüngliche Bezahlung zu verringern, wirkt ganz klar demotivierend und eine als ungerecht empfundene Bezahlung bremst Motivation nochmal verstärkt aus.
Aber nicht nur eine „als angemessen empfundene“ Bezahlung spielt eine Rolle bei der Motivation, sondern auch die Entwicklung des Gehalts. Um das zu erforschen, hat man Probanden die Wahl zwischen zwei Optionen gelassen:
- Ein gleichmäßig hohes Einkommen von Anfang an oder
- Ein zunächst geringeres Einkommen, das zunehmend ansteigt?
Bei beiden Modellen war die Summe des Lebenseinkommens identisch, aber fast alle Befragten wählten das Modell 2!
Die ansteigende Bezahlung signalisiert Entwicklung, persönliches Fortschreiten und das ist ein wichtiger Impuls in uns Menschen.
Man sieht, das Thema Geld ist eine komplexe Angelegenheit!
Ich wage mal ein Fazit:
Wenn wir intrinsisch motiviert sind, sind wir etwa dreimal engagierter, als wenn wir uns von extrinsischen Anreizen wie Geld leiten lassen.
Je mehr wir auf extrinsische Anreize wie etwa Geld konzentriert sind, desto mehr lässt die positive Wirkung der intrinsischen Motivation nach.
Aber dennoch: Geld spielt doch eine entscheidende Rolle:
Ein gerechtes, leistungsbezogenes Einkommen erhöht nicht die intrinsische Motivation, aber es ist wichtig, um beispielsweise Leistungs- und Machtmotivation hochzuhalten.
Die Bezahlung drückt Respekt und Wertschätzung gegenüber dem Mitarbeiter und dessen Arbeit aus und das ist auf jeden Fall eine wichtige Voraussetzung für Motivation.